Books Books Books

Als ich wieder angefangen habe intensiv zu lesen, musste ich in den Lese-Modus zurückfinden und mein Gefühl für Literatur reaktivieren. Durch mein Studium hatte ich viel Literaturtheorie und „Weltliteratur“ gelesen – Texte, die mich inspiriert, gefordert und gebildet haben, gleichzeitig aber Pflichtlektüre waren. Das freizeitliche Lesen ist dadurch sehr in den Hintergrund gerückt.

Erst durch meine Zeit als Buchhändlerin habe ich meine Begeisterung für gute Geschichten aufgefrischt und die Bereicherung gespürt, die mir Bücher geben – ich habe das Lesen ganz anders für mich wieder entdeckt und neue Eindrücke gewonnen. Literatur war im Studium lange Zeit auch mit Unzulänglichkeit verbunden. Oft hatte ich die Auffassung nicht belesen zu sein, zu wenig Literatur zu kennen und nicht zu verstehen, was manche Werke bedeuten. Ich habe mich selbst sehr unter Druck gesetzt, sodass ich wie eingefroren war – einfach nur, weil mich die schiere Menge an ungelesenen Büchern in eine Starre verfallen ließ.

Erst nach und nach konnte ich mir selber zugestehen, dass es okay ist bei vielen Bücher zu sagen „Nein, das kenne ich nicht“ und „Nein, das habe ich noch nicht gelesen”, ohne mich zu schämen.

Mittlerweile ärgere ich mich über die Leute, die in den sozialen Medien damit prahlen, dass sie über 100 Bücher im Jahr lesen. Das ist doch kein Wettbewerb, sondern eine schöne Beschäftigung, die Muse braucht und entschleunigen soll. Neben dem Informations- und Aufklärungsaspekt hat Lesen schließlich die große Fähigkeit, zu genießen, einzutauchen, abzuschalten. Da möchte ich doch nicht unter dem Druck stehen, möglichst schnell durch ein Buch durch zu hasten, nur damit ich es auf meinen Book-Count aufschlagen kann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert